Begegnung mit historischen Dieselmotoren

Nach langer Vorbereitungszeit (die Fähre von Rostock nach Kopenhagen wurde bereits im Dezember 2006 für unseren Bus gebucht) war es am 14.09.2007 endlich soweit. Wir fuhren um 06.00 Uhr mit der Fähre von Rostock nach Gedser, um von dort weiter mit unserem Bus nach Kopenhagen zu fahren. Sehr erfrischend waren während der Fahrt immer wieder die zahlreichen interessanten Episoden aus dem ehemaligen Tätigkeitsfeld einiger Vereinsmitglieder, so dass nie lange Weile aufkam.

Am Ortseingang von Kopenhagen liegt ein Industriegebiet, in dem sich unser Ausflugsziel, das DieselHouse von Burmeister & Wain befindet. Um 11.00 Uhr begann die Führung, die in gutem Englisch von einem Mitarbeiter des DieselHouses vor dem imposanten, 4 Decks hohen, doppelt wirkenden Zweitaktdieselmotor DM884WS-150 gehalten wurde. Zunächst wurden uns einige technische Daten dieses Motors erläutert.

Bezeichnung:DM884WS-150
Zylinderzahl:8
Zylinderdurchmesser:840 mm
Kolbenhub:1.500 mm
Drehzahl:115/min
Leistung:15.000 kW
Einspritzdruck:350-400 atm
Kompressionsdruck:35 atm
Maximaldruck:50 atm
indizierter Mitteldruck:7 atm
spezifischer Kraftstoffverbrauch:   240 g/kWh bei 12.000 kW
Spülung:vom Motor angetriebene 4 Gebläse erzeugen 1.800 m³/min
Abgastemperatur:300 C bei 12.000 kW
Abmaße:24,5 m hoch; 12,5 m lang
Gewicht:1.400 t
Baujahr:1933

Wir wurden anschließend über die Geschichte des DieselHouses und dessen Motor in einem Video informiert. So erfuhren wir, dass das DieselHouse im Jahr 1932 errichtet wurde. Es hat mit seiner Stromerzeugung entscheidend zur Elektrifizierung Kopenhagens beigetragen. Der Motor war an einen 15.000 kW-Generator angeschlossen. Für 30 Jahre war er der größte Dieselmotor der Welt. Von 1970 bis 2004 diente er als Stand-by-Maschine bei der Stromerzeugung und um Spitzenbelastungen im Stromnetz aufzufangen. Bei einem Blackout in Kopenhagen 2002 wurde er als Notgenerator eingesetzt.

Interessant war auch der erste von B&W erbaute und hier aufgestellte Dieselmotor Nr.1 aus dem Jahre 1904, der sogar noch funktionstüchtig ist. Leider konnten wir beide Motoren nicht in Aktion sehen.

Sehr schön gestaltet war eine Zeittafel mit dem Beginn des Dieselmotorenbaus bei B&W im Jahre 1843 und der gleichzeitigen Darstellung der Industrialisierung in Dänemark bis zum heutigen Zeitpunkt. Im Jahre 1898 kauften Burmeister & Wain eine Lizenz von Rudolf Diesel und erwarben so das Recht, Dieselmotoren ohne Größenbeschränkung zu bauen. Heute zählt MAN B&W mit der Produktion von Zwei- und Viertaktdieselmotoren für Schiffe mit einem Marktanteil von 70% zu den größten der Welt.

In den höheren Etagen des DieselHouses konnten wir uns über die verschiedensten B&W Zwei- und Viertaktdieselmotoren, die Entwicklung und die Innovationen im Dieselmotorenbau bei B&W informieren.

Beeindruckend waren die sehr detailreichen, im verkleinerten Maßstab nachgebildeten Motoren. Man fand hier fast alle jemals bei B&W gebauten Dieselmotoren. Dabei waren aus heutiger technischer Sicht Kuriositäten wie Gegenkolbenmotor, doppelt wirkender Motor und Motoren mit Spülluftpumpen vorhanden. Jeder Modellmotor rotierte per Knopfdruck und in einem aufgeschnittenen Zylinder konnte man sogar die Vorgänge im Zylinder mit nachgebildeter Zündung verfolgen. An einigen Motoren ging eine große Diskussion los, wie denn nun dieser Motor funktionierte, wobei Detailfragen nicht bis ins letzte geklärt werden konnten.

Nach dem Besuch des DieselHouses hatten wir noch eine Stadtrundfahrt mit unserem Busfahrer von Warnow-Reisen. Unter anderem ging es natürlich auch zur Meerjungfrau und zur Residenz der dänischen Königin. Danach hatten wir noch die Gelegenheit zu einem individuellen Stadtrundgang.

Um 21.00 Uhr ging es dann wieder mit der Kronprinz Frederick von Gedser nach Rostock zurück, so dass gegen 23.30 Uhr für jeden von uns dieser erlebnisreiche Tag zu Ende war.
Links: DieselHouse
MAN

Ralf Griffel



Dipl.-Ing. Ralf Griffel / webmaster@vsir.de / 17.09.2007